Weltgesundheitstag zur Depression am 07.04.2017

Foto Praxis

Der Weltgesundheitstag am 7. April steht unter dem Motto „mentale Gesundheit“, Depression ist das Hauptthema. Wie bleibe ich psychisch gesund? Wie schütze ich mich gegen Stress? Und wie stärke ich meine Widerstandsfähigkeit? Dazu habe ich für das Mitarbeiterportal der Deutschen Post/DHL ein Interview gegeben, das Sie im Folgenden nachlesen können:

Was bedeutet eigentlich mentale Gesundheit?

Aktiv und mit Freude am privaten wie beruflichen Leben teilzuhaben – mitten im Leben zu stehen. Leidet die mentale Gesundheit, fehlen Kraft und Schwung, um die täglichen Herausforderungen gut meistern zu können.

Immer mehr Menschen leiden unter Stress bis hin zur Depression. Wie kommt es dazu?

Faktoren wie Reizüberflutung, ständige Erreichbarkeit, Verunsicherung in einer komplexen Welt und der Hang zur Selbstoptimierung können zur Überforderung führen. Freizeitstress verhindert Ruhephasen. Einfach mal nichts zu tun ist verpönt. Aber niemand kann dauernd Höchstleitungen erbringen, ohne sich auch zu regenerieren. Der rapide Anstieg von Depressionen dürfte allerdings auch noch einen anderen Grund haben: In den letzten Jahren ist ein Tabu gebrochen worden. Man kann heute über diese Erkrankung offen sprechen. Deshalb wird sie auch häufiger diagnostiziert als früher.

Täglich prasselt auf uns vieles ein – privat wie beruflich. Wie kann ich dem Stress vorbeugen?

Wichtig ist es, gesunde Grenzen zu ziehen und Prioritäten zu setzen – beruflich wie privat. Oft will man möglichst nichts verpassen, ist immer erreichbar. Wir machen uns selbst Zeitdruck und verfangen uns in Gedankenkreiseln, aus denen es schwer fällt auszubrechen. Die Folge: wir fühlen uns gehetzt und unzufrieden. Daher sollte man sich immer mal wieder die Zeit nehmen zu hinterfragen: Was ist mir wirklich wichtig? Und worauf kann ich getrost verzichten?

Wie kann ich dem Gedankenkreisel entfliehen?

Da hilft ein Perspektivwechsel. Gehen Sie raus in die Natur! Nehmen Sie mal wieder wirklich wahr, was um Sie herum wächst und blüht – gerade jetzt im Frühling! So genannte Achtsamkeitsübungen wie eine Gehmeditation, Körper- oder Phantasiereisen helfen ebenfalls, den Fokus auf das Hier und Jetzt zu lenken. Das entspannt und macht gleichzeitig wach und leistungsfähig. Auch Bewegung – Laufen, Radfahren, Walken – hilft die Gedanken neu zu fokussieren. Mein Ausgleich sind die Berge. Da kommt alles zusammen: Sport, Natur und Perspektivwechsel. Denn vom Berg aus sehen Probleme gleich viel kleiner aus :-).

Warum Entspannung und gleichzeitig Aufmerksamkeit?

Entspannung alleine kann auch nur müde machen. Ziel ist es aber, wach für Neues zu werden, den Kopf frei zu haben für die Dinge, die ich tun möchte. Ein Schlüssel zu mehr Entspannung und Aufmerksamkeit ist: Nehmen Sie sich mehr Zeit für das, was Ihnen ganz persönlich Spaß macht und genießen Sie es! Klar helfen auch Yoga-Übungen – aber eben nicht jedem. Schaffen Sie positive Erlebnisse! Überlegen Sie am Ende des Tages einfach einmal: was ist heute Schönes passiert? Je mehr ich es schaffe, dass es mir gut geht, desto weniger gerate ich unter Druck und desto gelassener kann ich auch auf andere eingehen.

Werde ich so widerstandsfähiger und glücklicher?

Grundsätzlich besitzen wir alle diese Widerstandsfähigkeit, die so genannte Resilienz gegen Stressfaktoren, sonst wären wir in der Urzeit nie vom Bärenfell aufgestanden – der eine mehr, der andere weniger. Resilienz ist ein Stück weit Veranlagung, aber auch von der Tagesform abhängig. Es kommt darauf an, welche Erfahrungen man im Laufe seines Lebens mit Krisen gemacht hat. Habe ich etwas Wichtiges aus eigener Kraft geschafft und gut überstanden? Dann macht mich das auch im weiteren Leben widerstandsfähiger. Auch die Unterstützung durch andere stärkt meine Resilienz. Die innere Haltung ist ebenfalls von Bedeutung. Wichtig ist eine positive Einstellung zum Leben. Grundsätzlich gilt: nicht hadern! Der Rheinländer versteht das mit seinem Kölschen Grundgesetz schon gut: et es wie et es (es ist wie es ist), et kütt wie et kütt (es kommt wie es kommt) und et hät noch immer jot jejange (es ist noch immer gut gegangen). Diese Einstellung hilft tatsächlich. Wichtig ist es, Dinge zuzulassen und anzunehmen – und für positive Erlebnisse zu sorgen.

Mein Tipp lautet: Gönnen Sie sich von Zeit zu Zeit einen Perspektivwechsel und möglichst viel Lebensfreude!

Was mache ich, wenn mich doch mal der Stress überrollt?

Sicherlich kann man auch mal seine Gelassenheit verlieren, wir sind ja keine buddhistischen Mönche. Wichtig ist es dann, die eigenen Gefühle wahrzunehmen, anzunehmen und einfach einmal stehen zu lassen. Das bedeutet ja nicht, dass ich sie sofort und überall auslebe. Im Gegenteil. Manchmal hilft es auch, einfach mal fünf Minuten um den Block zu gehen. Das kann Probleme relativieren.

Woran merke ich, dass ich nicht einfach nur gestresst sondern schon mental erkrankt bin?

Spätestens dann, wenn es mir egal ist, ob ich am nächsten Morgen wieder aufwache. Dann ist es Zeit, sich Hilfe zu suchen. Aber auch wenn ich nicht mehr schlafen kann, ständig müde und abgeschlagen oder aber unruhig und gereizt bin, können das erste Anzeichen sein. Jemand der depressiv ist, fühlt sich oft völlig leer, sitzt tief im dunklen Loch und findet den Weg nicht mehr raus.

Wie widerstandsfähig sind Sie eigentlich?

Ich halte mich tatsächlich für ziemlich resilient (lacht). Im Laufe meines Lebens habe ich festgestellt, dass diese Resilienz da ist, weil ich Krisen angenommen und gemeistert habe. Heute sehe ich vieles gelassener und genieße bewusster, was mir das Leben so alles bietet.

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Für das Interview danke ich Frau Christina Adrian, Redakteurin Interne Kommunikation bei der Deutschen Post AG.

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