Vertrauen und Leadership

(c) Dr. Eike Hoffmann 2012

Was macht Unternehmen nachhaltig erfolgreich? Was zeichnet gutes Führungsverhalten aus? Was bewegt Menschen dazu, sich teils mit großen Anstrengungen für ein Ziel einzusetzen?

Um besser zu verstehen, was uns motiviert, lohnt sich ein kleiner Exkurs in die neuropsychologische Forschung:

Von Suchterkrankungen ist seit langem bekannt, dass Betroffene alle anderen Interessen vernachlässigen und sich nur auf ein Ziel zu fokussieren, um sich – notfalls sogar unter Lebensgefahr – Nachschub zu besorgen. Im Gehirn bewirken Suchtstoffe eine Aktivierung der Dopamin-Achse, die auch als Motivationssystem bekannt ist: Die Freisetzung des Botenstoffs Dopamin im Gehirn ist mit Aktivierung, Handlungsbereitschaft und psychischem Wohlbefinden verbunden.

Aber was außer Suchtmitteln aktiviert das Motivationssystem? Offenbar ist unser Gehirn darauf ausgelegt, gelingende Beziehungen zu anderen aufzubauen. Anerkennung und Wertschätzung sind keine „Bonuspunkte“, sondern essentielle Voraussetzung für Gesundheit und Leistungsfähigkeit. Zuwendung zu bekommen oder zu gewähren setzt Dopamin frei, macht aktiv und glücklich (Thomas Insel).

Umgekehrt gilt, soziale Isolation und Ausgrenzung bringen das Motivationssystem zum Erliegen, verursachen damit die für Depressionen typische Antriebslosigkeit mit zunehmender Vernachlässigung selbst so basaler Bedürfnisse wie der Nahrungsaufnahme und können damit im Extremfall sogar zum Tod führen (Michel Barrot).

Joachim Bauer schreibt dazu: „Alle Ziele, die wir im Rahmen unseres normalen Alltags verfolgen, die Ausbildung oder den Beruf betreffend, finanzielle Ziele, Anschaffungen etc., haben aus der Sicht unseres Gehirns ihren tiefen, uns meist unbewussten „Sinn“ dadurch, dass wir damit letztlich auf zwischenmenschliche Beziehungen zielen, das heißt, diese erwerben oder erhalten wollen. Das Bemühen des Menschen, als Person gesehen zu werden, steht noch über dem, was landläufig als Selbsterhaltungstrieb bezeichnet wird.“

Motivation für einen Job, ein Projekt, eine Aufgabe entsteht also durch gelingende Beziehungsgestaltung. Und dazu können folgende Punkte beitragen:

  • Die Arbeit kann als grundsätzlich gesellschaftlich sinnvoll verstanden werden, z.B. durch Qualität und Nutzen der Produkte bzw. Dienstleistungen, soziales, ökologisches oder kulturelles Engagement.
  • Die Beziehungen zwischen Vorgesetzten und Mitarbeitern und zwischen Kollegen untereinander sind von Fairness und Vertrauen geprägt.  Mitarbeiter wollen nicht nur als „human ressource“, sondern als Person, als Mensch wahrgenommen und ernst genommen werden.

Das bedeutet keineswegs, auf alle Befindlichkeiten Rücksicht nehmen zu müssen. Ein Wirtschaftsunternehmen wird nun mal am finanziellen Erfolg gemessen, muss effektiv und effizient arbeiten. Es bedeutet, als Führungskraft auch persönlich hinter den erklärten Zielen zu stehen, Mitarbeitern mit echtem Interesse wahrzunehmen, ihre Leistungen anzuerkennen und sie fair zu behandeln.

Unfairness, insbesondere wenn sie mehrfach erlebt wurde, zerstört hingegen jede Motivation und Loyalität. Demotivation bis hin zur inneren Kündigung oder umkooperatives, gar aggressives Verhalten ist nicht selten darin begründet, dass sich ein Mitarbeiter nicht ausreichend gesehen und anerkannt oder unfair behandelt fühlt. Marshall Rosenberg nennt jede Form von Gewalt „einen tragischen Ausdruck eines unerfüllten Bedürfnisses“, in diesem Fall des Bedürfnisses nach Anerkennung und Zugehörigkeit.

Andere Menschen wahrnehmen zu können, setzt aber auch persönliche Ressourcen voraus. Empathie für andere kann nur aufbringen, wer mit sich selbst ausreichend empathisch umgeht, seine eigenen Bedürfnisse aufmerksam wahrnehmen und wahren kann – sich selbst kennt und vertraut. Dazu gehört der Mut, für die eigenen Überzeugungen und Werte einzustehen, Konflikte offen anzusprechen, Grenzen zu respektieren, und auch mal klar „Nein“ zu sagen.  Dann kann man sich als Mensch (und nicht nur als Rolle) zeigen. Und dadurch entsteht Vertrauen – wichtigste Basis für gelingende Beziehungen und damit für Motivation und Erfolg.

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