Systemrelevat? Ein Plädoyer für die Kunst

Das Ensemble von Susi oder so mit Musikern auf der Bühne nach Ende des Stücks

Nach monatelanger Pause endlich wieder eine live-Aufführung in der Komödie im Bayerischen Hof! Mal ganz abgesehen davon, dass „Susi oder so“ wieder mit unglaublich viel Herzblut und großartigen Stimmen vorgetragen wurde, fand ich es wahnsinnig berührend nach so langer Zeit wieder die Nähe von Künstlern und Publikum zu spüren. Welcher Esprit, welche Lebensfreude, was für ein gemeinsames Erlebnis! Für einander eigentlich völlig fremde Menschen im Alter von 10 bis 90. Haben Sie mal beobachtet, dass Menschen oft ein wenig abgehetzt und vielleicht auch drängelnd in die Vorstellung gehen, aber einander freundlich zunickend und lächelnd wieder gehen? Okay, Ausnahmen gibt es immer. Aber dieses gemeinsame Erlebnis, die geteilten Emotionen und das gemeinsame Lachen verbinden. Es überwindet Grenzen – zwischen Altersgruppen, Gesellschaftsschichten und Kulturen.

Dabei hätte uns dieses Erlebnis auch durchaus verloren gehen können. Die Karten hatten wir noch vor der Pandemie, gekauft. Die geplante Vorstellung im Mai 2020 konnte jedoch erst jetzt im Juni 2021 nachgeholt werden. Wie es der Regisseur Michael Tasche am Ende des Stücks auf den Punkt brachte: Es ist für ein nicht staatlich gefördertes Theater keineswegs selbstverständlich nach 14 Monaten ohne Einkünfte noch zu existieren und wieder spielen zu können.

Ist Kunst wirklich verzichtbar? Was ist eigentlich systemrelevant? Nur die Dinge, die wir zum Überleben brauchen, oder alles, was uns als Menschen (zusammen-)leben lässt? Was macht uns aus, was kennen wir aus vergangenen Jahrhunderten, woran werden sich die folgenden Generationen aus unserer Zeit erinnern?

Ich bin immer wieder gern in Rom. Die ganze Stadt ist voller architektonischer und künstlerischer Schätze aus mehr als 2000 Jahren. Dabei wirkt Rom beileibe nicht wie ein Museum. Die Stadt ist inmitten ihrer Kunst lebendig und voller Energie. Es tut der Seele einfach gut von Dingen umgeben zu sein, die größer sind als wir. Die uns aufschauen lassen voller Bewunderung, die uns inspirieren oder uns einfach Freude machen.

Wie Barbara Fredrickson gezeigt hat, benötigen wir all diese positiven Emotionen. Schaffen wir es langfristig dreimal mehr positive als negative Emotionen zu erleben, hält uns das nicht nur gesund, es lässt uns Menschen aufblühen. „Der Mensch lebt nicht vom Brot allein.“ Diese Weisheit lässt sich durch die Forschung der positiven Psychologie bestätigen. Wir als Menschen brauchen Inspiration, Neugier, Freude – und die Begegnung miteinander. Und nichts davon lässt sich auf Dauer virtuell nicht ersetzen.

Deshalb ganz egal ob in die Kunstgalerie (oder den Garten von Eze mit den wunderbaren Skulpturen von Jean-Philipe Richard), ins Museum, ins Theater, in die Oper oder das Program-Kino am Ort: Gehen Sie hin! Schauen Sie, lassen Sie sich begeistern und inspirieren, genießen Sie diese besondere Atmosphäre! Und unterstützen Sie all jene, die unser Leben mit Ihrem Talent und ihrem Engagement bereichern.

Skulptur einer schwangeren Frau im Jardin Exotique von Eze

Allen Musikern, Künstlern, Schauspielern, Sängern und all jenen, die teilweise ganz ungesehen im Hintergrund mitarbeiten: Danke, dass Ihr durchgehalten habt! Danke, dass Ihr weiter geprobt habt und nicht aufgegeben habt! Danke, dass Ihr wieder da seid!

Und danke, dass es Euch gibt!

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