Kreativität, Angst und Gelassenheit

Zu Ostern in Rom hatten wir das Vergnügen, eine Ausstellung mit Bildern William Turners im Bramante-Kloster zu besuchen. Mit seinem Zitat https://ehcoach.com/2018/04/11/april-2018/ hat Turner instinktiv erfasst, was wir mittlerweile aus der Neurobiologie wissen: Wenn man Angst hat oder im Stress ist, kann man nicht kreativ werden, nichts Neues schaffen, keine originellen Lösungen finden. Im Stress geraten wir in einen Tunnelblick. Die Aufmerksamkeit richtet sich nur noch auf das Stress auslösende Problem, abgerufen werden fast nur noch etablierte, automatisierte Verhaltensmuster. Das hat in der Evolution ja auch Sinn gemacht: Versuchen Sie mal, vor dem Säbelzahntiger davonzulaufen, wenn Sie sich nebenbei damit beschäftigen, welches Blümchen am Wegesrand blüht, welcher Vogel gerade pfeift oder wie Sie heute Abend das Mammut zubereiten wollen – gegrillt oder gedünstet. Die Wahrscheinlichkeit, dass Vorfahren, die so gedacht und gehandelt haben, nicht unsere Vorfahren sondern Tigerfutter geworden sind, ist ziemlich hoch. Und so sind Ängste und Stressreaktion auch primär dazu da, schnell lebensrettend zu handeln. Allerdings hat sich unsere Situation grundlegend verändert und die Dinge, die heute Angst und Stress auslösen, sind in aller Regel nicht lebensbedrohlich. Auch wenn Gehirn und Körper  noch immer so reagieren und es sich so anfühlen mag, wenn man vom Chef angeschrien oder von ungeduldigen Kunden beschimpft wird: Lebensgefahr besteht nicht.

Um gute, vielleicht neue, für mich auch vom Bauchgefühl her stimmige Lösungen zu finden, muss ich Zugriff auf meine Intuition und auf alle gespeicherten Lebenserfahrungen bekommen. Wie das geht? Das ist gleichzeitig ganz einfach und ganz schön schwer: Ich muss Angst, Wut und Trauer erst einmal zulassen, achtsam spüren und annehmen, damit ich meine Sorgen und Ängste loslassen kann. Ich muss etwas riskieren, mich auf den Weg machen, um etwas Neues auszuprobieren. Ich muss alte Denkmuster und Gewohnheiten hinter mir lassen und mich auf das Abenteuer des unkalkulierbaren Lebens einlassen. Verlust und Tod sind unvermeidlich. Sie lassen sich durch Ausweichen, durch Kontrolle und vermeintliche Sicherheiten nicht verhindern. Letztendlich sind es unsere Erfahrungen, Erlebnisse und Begegnungen mit anderen, die das Leben reich machen. Und so kann ich mich gelassen, sogar mit Neugier und Freude einlassen auf das, was das Leben bringt. Als Entdecker, als Abenteurer, als jemand, der bereit ist, aus allem zu lernen.

So entstehen unsere ganz eigenen Bilder und Geschichten –  im Kopf, aber vielleicht auch auf Papier und Leinwand. Turner jedenfalls war ein viel gereister Meister im Entdecken von Farben und Licht. Malen doch auch wir uns das Leben in allen Farben des Regenbogens bunt!

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