Sinn und Unsinn in der Prävention von Herz-Kreislauf-Erkrankungen

Prof. Thomas Kühnlein, Direktor des Allgemeinmedizinischen Instituts am Uniklinikum Erlangen spricht mir in seinem heutigen Gastbeitrag für die Ärztezeitung aus dem Herzen: Trotz immenser Kosten ist die Lebenserwartung in Deutschland nicht höher als im europäischen Durchschnitt. Die vom Bundesgesundheitsministerium als Gegenmaßnahme vorgeschlagene verstärkte Labordiagnostik und Medikation steigern aber vor allem die Kosten, werden Herz-Kreislauf-Erkrankungen aber kaum verhindern können. Dieser Reflex auf ein medizinisches Problem mit Medikamenten zu reagieren, obwohl kostengünstigere, nicht-medikamentöse Maßnahmen nachweislich wirksamer sind, hilft uns nicht weiter.

Fazit des Artikels: „Die Minister-Pläne für mehr „Prävention“ gegen Herz-Kreislauf-Erkrankungen folgen falschen Prämissen. Statt zu nutzen, dürften sie durch weitere Medikalisierung eher schaden. Wichtiger wäre ein Blick auf den sozialen Gradienten.“ Hier das Original zum Nachlesen:

https://www.aerztezeitung.de/Politik/Ein-Impulspapier-und-der-ungebrochene-Glaube-an-das-ewige-Leben-445160.html

Kümmern wir uns stattdessen um die psychosozialen Faktoren, von denen wir wissen, dass sie wesentliche Risikofaktoren für Herzinfarkte darstellen:

  • bessere Bildung für alle,
  • Forderung und Förderung von Eigenverantwortung,
  • Maßnahmen gegen Einsamkeit, Burnout und Depressionen,
  • stattdessen Förderung von Flourishing (Zufriedenheit, Lebensfreude, Aufblühen) sowie
  • Einkommen, von denen jeder Berufstätige egal welcher Branche und Hierarchieebene wieder vernünftig leben kann.

Das würde den Fokus verschieben hin zu echter Gesundheitsförderung und nicht nur die Lebenserwartung, sondern vor allem auch die Lebensqualität steigern.

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